Magirus

Die gut 150-jährige Geschichte der Marke Magirus geht zurück auf den Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ulm Conrad Dietrich Magirus. Magirus beschäftigte sich mit Erfindungen, welche die Feuerbekämpfung erleichtern sollten. 1864 wurde er Teilhaber der Gebr. Eberhardt offene Handels- und Kommanditgesellschaft, welche mit der Herstellung und dem Vertrieb von Feuerwehrgeräten beschäftigt war.

Nach Unstimmigkeiten mit den Gebrüdern Eberhardt gründete Magirus allerdings bereits 1866 mit der Feuerwehr-Requisiten-Fabrik C. D. Magirus sein eigenes Unternehmen. Hier entwickelte er 1873 mit der sogenannten „Ulmer Leiter“ eine technische Sensation. Die zweirädrige Schiebeleiter verfügte über eine Steighöhe von ganzen 14 Metern und konnte im ausgezogenen Zustand bewegt und im Freistand bestiegen werden. Als Magirus dieses Gerät auf der Weltausstellung in Wien vorstellte, wurde es prompt mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Dank der dadurch gestiegenen Bekanntheit gab es reichlich Aufträge, wodurch 1885 das Gelände an der Promenade zu klein wurde. Es folgte der Bau der Fabrik in der Schillerstraße im Westen Ulms nahe den Eisenbahngleisen. Im Jahr 1887 übertrug Magirus die Leitung seines Unternehmens an seine drei Söhne Heinrich, Otto und Hermann.
Bis zur Jahrhundertwende folgten zahlreiche Innovationen. Darunter die „Elevator-Patent-Leiter“, welche mittels einer Seilwinde ausgezogen und aufgerichtet werden konnte. 1892 folgte eine noch von Pferden gezogene Drehleiter, die sich auf 25 m ausziehen ließ. Auch eine neuartige Petroleummotorspritze und die erste automobile Elektrodrehleiter stammten aus dem Hause Magirus. Als der Firmengründer Conrad Dietrich Magirus am 26. Juni 1895 im Alter von 70 Jahren starb, hatten die Produkte seines Unternehmens insgesamt schon 50 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen eingefahren.
Zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts waren rund 300 Mitarbeiter in der Vereinigten Feuerwehrgerätefabrik GmbH beschäftigt. Im Jahr 1914 waren dann auch die Kapazitäten des Werkgeländes an der Schillerstraße erschöpft, worauf ein zweites Werk in Söflingen eingerichtet wurde. Hier wurde 1921 die sogenannte Bayernspritze – das erste leichte Löschfahrzeug mit einem 1,5-Tonnen-Fahrgestell als Basis – produziert. In den 20er Jahren wurden schließlich auch Kommunalfahrzeuge und später auch Lastwagen verschiedener Größe hergestellt. 1925 änderten die Besitzer das Firmenlogo in ein „M“ mit dem Ulmer Münsterturm. Nachdem die Nachfrage nach dem Kriegsende zurückgegangen war, hatte Magirus seine Belegschaft reduzieren müssen. Doch 1927 waren bereits wieder circa 2000 Arbeiter beschäftigt.
Aufgrund der steigenden Nachfrage produzierte die C.D. Magirus AG ab 1929 eigene Dieselmotoren. Allerdings führte die Weltwirtschaftskrise dazu, dass durch die Aufnahme von immer mehr Krediten die Banken das Sagen übernahmen. 1932 musste das Unternehmen dann verkauft werden und am 5. März 1936 übernahm die Humboldt-Deutz AG schließlich den Betrieb. Nachdem das Logo vorübergehend mit dem Klöckner-Deutz-Schriftzug kombiniert verwendet worden war, kehrte 1949 das ursprüngliche Magirus-Logo zurück und der Markenname wurde auf Magirus-Deutz geändert.
Noch vor dem 100-jährigen Jubiläum entwickelte Magirus weitere Innovationen. Der weltweit erste geschweißte Stahlleitersatz gehörte dazu. Die welthöchste Drehleiter mit 52 + 2 Metern Höhe und Fahrstuhl stammt ebenfalls aus dem Hause Magirus. Und auch die ersten Tragkraftspritzen, betrieben mit einem luftgekühlten VW-Industriemotor gehen auf das Konto des Feuerwehrgeräteproduzenten.
1974 führte dann eine Zusammenarbeit mit Fiat und weiteren Lastwagenherstellern zur Einrichtung der Marke Iveco. Die Magirus-Deutz AG wurde Tochter dieses Unternehmens und 1983 in die Iveco Magirus AG umbenannt.
1996 folgte die Ausgliederung der Brandschutzsparte unter dem Namen Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH. Inzwischen wurden alle Drehleitern mit einem computerüberwachten Sicherheitssystem produziert und dank der AluFire Technologie war bei den Aufbauten der Löschfahrzeuge maximale Flexibilität gegeben.
Um weltweit weiter expandieren zu können, wurden weitere Produktionsstätten erschlossen, unter anderem im südbadischen Weisweil, im italienischen Brescia und im französischen Chambéry. Zur Jahrtausendwende wurde dann die erste schwingungsfreie Drehleiter mit computergestützter Technologie auf den Markt gebracht. 2010 folgte der Single-Extension-Auszug, auf dessen Grundlage 2012 die weltweit längste Gelenkdrehleiter (42 m) erfunden wurde.
Inzwischen war die IVECO Euro-Fire GmbH als Holding für die IVECO Italien, die IVECO Magirus AG und die Renault V.I. gegründet worden. Allerdings gab man den Titel Euro-Fire bereits 2004 zugunsten der Bezeichnung IVECO Magirus wieder auf. Unter diesem Namen wurden Lastwagen der Marke Iveco produziert und die Entwicklung von Feuerwehr- und Katastrophenschutztechnik betrieben. 2013 wurde dann auch die Brandschutztechnik wieder unter der Firmierung Magirus GmbH geführt und mit dem stilisierten M als Logo kehrte man wieder zu den Wurzeln des Unternehmens zurück.

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