Jaguar

Unter den jemals von uns geschaffenen Dingen ist das Auto dasjenige, das etwas Lebendigem am nächsten kommt.“ Dieser Ausspruch stammt von William Lyons, einem der beiden Väter der Marke Jaguar. 1921 traf der damals 19-jährige Motorradenthusiast auf den 9 Jahre älteren William Wamsley, der Motorrad-Beiwagen produzierte. Daraus entstand im Sommer 1922 eine Geschäftsverbindung namens Swallow Sidecar Company mit Sitz im englischen Blackpool.
1927 bekam die Firma erstmals den Auftrag eine Sportwagenkarosserie herzustellen, und zwar für Austin Seven. Die Zweisitzerkarosserie fand bei den Londoner Autohändlern großen Zuspruch. Die Folge war, dass weitere Entwürfe für Fiat 509a, Morris Cowley, Swift Nine und Standard Big Nine geordert wurden. Um der Nachfrage gerecht werden zu können war ein Umzug nach Coventry nötig. Zu Beginn der 1930er Jahre folgten Sportausführungen für große Standardmodelle, wie den Wolseley Hornet oder den „Ensign“.
Der erste Meilenstein kam 1931, als mit dem SS1 und dem SS2 die ersten beiden selbstständig konstruierten Sportwagen auf der Londoner Motorshow vorgestellt wurden. Vor allem das Design der Coupés stellte etwas noch nie dagewesenes dar. 1935 tauchte erstmals die Modellbezeichnung Jaguar für eine weitere Serie von Limousinen und Sportwagen auf. Ein Jahr später feierte die legendäre Kühlerfigur „The Leaper“ Geburtstag. Zunächst zierte eine Kupferversion das Privatauto von Firmendesigner Bill Rankin. Der Öffentlichkeit wurde er erstmals als Weihnachtsextra im Dezember 1938 zugänglich.
Um den Begriff Sportwagen weiterhin rechtfertigen zu können, musste die Leistung drastisch gesteigert werden. So wurde der Motorenspezialist Harry Weslake hinzugezogen, dem es gelang, die Standardmotoren zu verbessern. Zudem wurde eine eigene Versuchsabteilung unter der Leitung des Ingenieurs William Heynes eingerichtet, die fortan für die Chassis der neuen Modelle zuständig war. So wurde aus dem SS90 der SS100, welcher als einer der schönsten Vorkriegswagen in die Automobilgeschichte einging.
Während des Zweiten Weltkriegs war mit Walter Hassan ein erstklassiger Motorenspezialist als Chef für eine weitere Entwicklungsabteilung verpflichtet worden. Zusammen mit dem Konstrukteur Claude Bailey wurde ein revolutionärer Reihensechszylinder-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen entworfen. Auf der Londoner Motorshow 1948 präsentierte das Unternehmen, welches seit Kriegsende Jaguar Cars Ltd. hieß, die neue Maschine in ihrem Zweisitzer XK 120. Das beinahe 200 km/h schnelle Geschoss bestach außerdem durch sein elegantes Design. Nebenbei feierte das „The-Growler“-Emblem Debüt, welches bald zu einem typischen Erkennungsmerkmal für die Jaguar-Modelle avancierte. Der Sportwagen war auch der erste Jaguar, der 1950 am berühmten 24-Stunden-Rennen von Le Mans teilnahm und überraschend gut mithalten konnte, bevor er mit einem Kupplungsdefekt ausschied.
Im selben Jahr wurde auf der Londoner Automobilmesse die fünfsitzige Limousine MK VII eingeführt. Zusammen mit dem XK-Motor beeindruckte das Automobil vor allem durch sein hohes Maß an Luxus und Komfort. Die Folge waren Bestellungen im Gesamtwert von 30 Millionen Pfund Sterling.
1951 folgte das Release des XK 120 als Coupé und für Le Mans wurde der aerodynamische XK 120 C entwickelt. Mit diesem C-Type genannten Auto fuhren die beiden Fahrer Peter Whitehead und Peter Walker den ersten Sieg für Jaguar ein. Bis 1954 folgten zahlreiche Siege auf verschiedenen Rennstrecken, darunter 1953 ein weiterer Sieg in Le Mans. Bei diesem Rennen kam unter anderem zum ersten Mal die revolutionäre Technologie der Scheibenbremse zum Einsatz.
1954 wurde der XK 120 durch den stärker motorisierten XK 140 ersetzt. Im Rennsport war der D-Type der Nachfolger, welcher mit den Rennsiegen in Le Mans 1955, 1956 und 1957 nicht minder erfolgreich blieb. 1956 gelang der Marke mit dem MK II zudem der Sieg bei der Ralley von Monte Carlo. Damit war Jaguar der einzige Sportwagenhersteller, der gleichzeitig in Le Mans und Monte Carlo erfolgreich war. 1957 folgte auf den MK II der MK III und auf den XK 140 der XK 150, der erstmals serienmäßig mit Scheibenbremsen versehen wurde. Letzterer sollte insgesamt 9395 mal gebaut werden. 1958 kam die neue Technologie auch bei der ersten Limousine zum Einsatz. Der MK IX hatte den 3,8-Liter-Motor des XK 150 und war mit Scheibenbremsen und Servolenkung ausgerüstet.
Zu Beginn des Jahres 1960 kaufte Jaguar die Daimler Motor Company auf, die ihren Hauptsitz praktischerweise ebenfalls in Coventry hatte. Schon bald begann man damit jeder neuen Jaguar-Limousine eine extravagantere Daimler-Version zur Seite zu stellen.
Auf dem Genfer Autosalon 1961 wurde dann mit dem E-Type ein weiterer Sportwagen eingeführt, der zur Legende werden sollte. Fortschrittliche Technik, wie Zweinockenwellenmotor, Einzelradaufhängung und Monocoque-Chassis hoben den Klassewagen neben seiner aerodynamisch-aufregenden Form aus der Masse heraus. Im Rennsport feierte Jaguar mit dem „E-Type Lightweight“ mit extra leichter Aluminiumkarosserie weltweit zahlreiche Siege. Die dazugehörige Reiselimousine MX war die erste mit selbsttragende Karosserie, womit das Ende des Leiterrahmens besiegelt war. 1963 wurde das Fahrzeug zum S-Type mit großem Kofferraum und weiteren technischen Feinheiten weiterentwickelt.

1966 kam Jaguar dann zusammen mit Austin Morris und MG unter das Dach von British Leyland (BL). Später sollten auch Rover und Triumpf zu diesem Zusammenschluss dazustoßen.
Im nächsten Jahr war das Bestreben der Marke wieder im Rennsport Fuß zu fassen. Unter der Bezeichnung XJ 13 wurde ein Sportwagen mit einem Mittelmotor mit 12 Zylindern und 5 Litern Hubraum entwickelt, der sich optisch am E-Type orientierte.

Im Herbst 1968 folgte der XJ 6. Der Luxuswagen war noch von William Lyons gezeichnet worden und offenbarte dessen ganzes künstlerisches Können in Sachen Design. Leider zeigten sich bald Qualitätsmängel und der Ruf von Jaguar litt unter dem Missmanagement der British-Leyland-Gruppe. Gleichzeitig wurden die Abgasvorschriften immer strenger und der E-Type konnte mit seinem 6-Zylinder-Motor nicht mehr mithalten. Nach 72.532 gebauten Modellen wurde die Produktion eingestellt. Nachfolger war der XJ-S, der zum meistgebauten Zweisitzer der Marke werden sollte. Bereits 1971 war der herkömmliche Motor durch den 12-Zylinder-Motor ersetzt worden, dessen Entwicklung mit dem XJ 13 begonnen hatte. Mit dem XJ 12 stellte Jaguar europaweit den ersten serienmäßigen 12-Zylinder PKW seit dem Zweiten Weltkrieg her. 1972 gab der inzwischen geadelte Sir William Lyons seinen Chefposten an Lofty England ab. Der XJ 12 war sein letzter Geniestreich. Leider kam es Mitte der 1970er Jahre auch bei diesem Modell zu schlechter Verarbeitung. Die Reputation litt und durch die zurückgehenden Absatzzahlen ging der British Leyland Motor Corporation das Geld aus. Hinzu kamen Streiks durch das schlechte Verhältnis zu den Gewerkschaften.
1980 übernahm Sir John Egan die Firmenleitung, der sich bald daran machte die Quailtät bei Zuliefererteilen und in der Montage zu verbessern. 1981 gelang es mithilfe des revolutionären Fireball-Brennraums von Michael May den V12 zum wesentlich sparsameren H.E. (High Efficiency) weiterzuentwickeln. Auch die 6-Zylinder-Motoren wurden überarbeitet. 1983 kam in dem Bügelcabrio XJ-SC erstmals ein Modell dieser wegweisenden AJ6-Motorengeneration zum Einsatz.
Bereits 1982 hatte die Austin Rover Group die meisten Marken von British Leyland übernommen. Jaguar und Daimler blieben jedoch in der Jaguar Car Holdings, mit der sie sich im Jahr 1984 vom Mutterkonzern trennen konnten.
Mit dem Rennstall TWR (Tom Walkinshaw Racing) wurde man auch wieder rennsportlich aktiv. 1984 gewann man mit dem XJ-S die europäische Meisterschaft, sowie das 24-Stunden-Rennen von Spa. Die Folge war der Auftrag an TWR einen Wagen für die 24 Stunden von Le Mans zu bauen. Der XJR gewann 1987 und 1988 die Sportwagen-WM und 1988 und 1990 konnten endlich auch wieder in Le Mans Siege eingefahren werden.
Passend zum Erfolgsjahr 1988 wurde die Tochter Jaguar Sport gegründet, welche sich vorrangig mit dem Bau exklusiver Sportwagen und sportlicher Limousinen beschäftigen sollte. Die Studie XJ220 sorgte noch im selben Jahr bei der British Motor Show für Furore. Doch auch beim Bau von Limousinen war man nicht untätig gewesen. Bereits 1986 war die XJ40 in drei Ausführungen auf den Markt gekommen: als Jaguar XJ6, als Sovereign und als Daimler.

1989 begann ein neues Kapitel in der Jaguar-Firmengeschichte, als die Marke unter das Dach der Ford-Gruppe kam. Unter der neuen Führung kam es zunächst zu optimierten Modellreihen, wie dem verbesserten XJ-S. Die dazugehörige Limousine mit überarbeiteter Technik kam 1993 auf den Markt. Gleichzeitig definierten die unter dem Namen Majestic gefertigten Daimler- und Sovereign-Modelle das Thema Sportlimousine neu. 1994 wurde auf dem Pariser Autosalon eine neue XJ-Serie mit wiederum verbesserten 6-Zylinder-Motoren vorgeführt. Das besondere war, dass diese Modelle zeitgleich auf allen Weltmärkten eingeführt wurden. 1996 trat der elitäre Sportwagen XK8 die Nachfolge des legendären E-Type an. Ab September 1997 wurde auch bei der SJ-Serie auf die aus dessen Motorisierung abgeleiteten V8-Motoren umgestellt.
1999 erreichte Jaguar mit dem S-Type ein neues Segment. Das Auto war den klassischen MK-Limousinen nachempfunden, sodass die Optik dem Motto „Beauty First“ von Firmengründer William Lyons alle Ehre machte. Aber auch die Technik war zukunftsweisend. So war Jaguar 1999 der erste Hersteller, der auf die neuartige ACC Geschwindigkeitsregelung setzte.
Ein weiterer Meilenstein in der Markengeschichte war der 2001 erschienene 6-zylindrige, allradgetriebene X-Type. Von diesem Modell wurden weltweit erstmals mehr als 100.000 Fahrzeuge abgesetzt.
Im Jahr 2002 bekamen S-Type und XK einen neuen 8-Zylinder-Motor verpasst. Mit dem 395 PS starken Kompressormotor wurde der S-Type zur schnellsten Serien-Limousine der Firmengeschichte. Im September war dann die neue Jaguar XJ-Serie an der Reihe für Aufsehen zu sorgen – mit einer komplett selbsttragenden Aluminiumkarosserie in Monocoque-Bauweise. Im selben Jahr wurden mit der X-Type-Serie gleich mehrere Neuheiten eingeführt. Dazu zählten erster Jaguar mit Frontantrieb, erster Jaguar mit Dieselmotor und erster Jaguar als Serien-Kombiwagen.
2004 kam im neuen Flaggschiff S-Type der gemeinsam mit Peugeot entwickelte 2,7-Liter-Sechszylinder-Motor Twin Turbo-Diesel zum Einsatz. Ab 2005 war dieser dann auch für den XJ erhältlich.
Im Januar 2005 wurde die Detroit Motor Show genutzt, um das Jaguar Advanced Lightweight Coupé zu präsentieren. Technisch gesehen hatte dieses Modell bereits über 80 Prozent vom neuen Jaguar XK der, im September auf der IAA in Frankfurt sein Release feierte. Ein Jahr später wiederum in Detroit kam das eigenständig entwickelte Jaguar XK Cabriolet auf den Markt.

2008 folgte der Zusammenschluss mit dem britischen Edelautohersteller Land Rover unter dem Dach von Tata Motors. Die Erfolge gingen ungebremst weiter. Der F-Type von 2013 erhielt den Titel „World Car Design of the year“. Mitte 2014 wurde ein neuer Geschäftsbereich mit Namen „Special Operations“ eingerichtet. Diese Abteilung beschäftigt sich seither mit dem Bau von Sondermodellen auf Kundenwunsch und exklusiven Kleinserien. So wurden hier zum Beispiel die sechs fehlenden Modelle des 1963 nur zwölf Mal gebauten Jaguar E-Type Lightweight nach Originalbauplänen und mit den manuellen Fertigungsmethoden von damals nachgebaut. Außerdem managt diese Unternehmenssparte auch die Tätigkeit von Jaguar Classic am Traditionsstandort Browns Lane (Coventry). Ende Oktober 2014 konnte dann das erste neue Motorenwerk seit dem Zusammenschluss im heimischen England eingeweiht werden. Dieses Engine Manufacturing Center (EMC) bei Wolverhampton war in erster Linie für Entwicklung und Montage der neuen Vierzylinder-Ingenium Dieselmotoren zuständig. Im Oktober des Jahres folgte ein Joint-Venture mit der chinesischen Firma Chery Automobile. Das gemeinsam erbaute Werk in Changshu diente ebenfalls dem Motorenbau und der Entwicklung.
Im Frühjahr 2015 eroberte Jaguar Land Rover mit dem neuen XE erstmals das Premium-Mittelklasse-Segment. Hier kam erstmals im Automobilbereich ein Laser-Head-Up-Display zum Einsatz, welches leichter ist und schärfere Bilder liefert als das herkömmliche LED-Display. Auf der IAA in Frankfurt wurde mit dem F-Pace die Tür zu einem weiteren Segment aufgestoßen. Das Familien-Sportwagen-Crossover verfügt über einen großen Kofferraum und einen geräumigen Innenraum für bis zu fünf erwachsenen Personen. Zum Start des Jahres 2016 wurde außerdem die Limousine XF eingeführt, der das goldene Lenkrad von Autobild und Bild am Sonntag bekam. Auch der F-Pace gewann in den Leservotings zahlreicher Fachzeitschriften. Und der XE wurde von der Euro NCAP Organisation mit dem „Best in Class“-Award für höchste Sicherheit bei Familienwagen geehrt.
Im Juni des Jahres wurde dann das bereits Ende 2013 begonnene Werk im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro der Bestimmung übergeben. Dabei handelte es sich um die erste überseeische Fabrik die zu 100 % Jaguar Land Rover gehört. Im September 2016 wurde außerdem der Grundstein für eine 300.000 m² große Produktionsstätte für Aluminiumbau in der Slowakei gelegt.
Im selben Jahr wurde das Unternehmen auch erstmals seit dem 2004 ausgelaufenen Formel 1-Engagement wieder im Motorsport aktiv. Zum Herbst hin startete die Marke in der ersten Meisterschaft für elektrisch angetriebene Formelrennwagen – der FIA Formel E. Die Erkenntnisse aus diesen Rennen sollen in die Elektroantriebe der Serienmodelle einfließen. So bei dem 2016 auf der Autoshow in Los Angeles vorgestellten rein batterieelektrisch angetriebenen I-Pace, der 2018 in Kooperation mit dem österreichischen Hersteller Magna Steyr in Serie gehen soll.

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